Gewalt gegen Frauen über Dating-Apps

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Gewalt gegen Frauen über Dating-Apps

Dokumentation, Studien und investigative Berichte

Fangen wir mit dem an, was niemand aussprechen will: Frauen werden über Dating-Apps getötet. Nicht gelegentlich. Nicht selten. Regelmäßig.

Und die Unternehmen, die diese Apps betreiben, wissen das seit Jahren. Geändert hat sich wenig.

Eine vollständige Liste der Frauen, die getötet wurden, weil sie Frauen waren, konnten wir nicht zusammenstellen — weil der Großteil der Fälle nie angezeigt wird, nie dokumentiert wird, nie ans Licht kommt oder schlicht nicht ernst genommen wird.

Deutschland

308 Frauen und Mädchen wurden 2024 in Deutschland getötet. Fast die Hälfte davon, 132 von ihnen, wurden von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet.

Täglich versucht mindestens ein Mann in Deutschland, seine Partnerin oder Ex-Partnerin umzubringen. Jeden Tag. Das BKA veröffentlicht diese Zahlen jährlich — und zusätzlich ist der Zugang zu diesen Informationen auch dem Engagement von Feministinnen zu verdanken, die Femizide nicht als bloße Zahlen erfassen, sondern jeden Fall recherchieren und mitunter rekonstruieren, wer diese Frauen waren. Sie als Zahlen zu behandeln hilft dabei, uns unserer Menschlichkeit zu berauben — und die Entmenschlichung von Frauenkörpern und Frauenleben ist Ausdruck patriarchaler Sprache, die Gewalt normalisiert.

Geschlechtsspezifische Gewalt — also Gewalt gegen Frauen — nimmt jährlich zu. Genau deshalb sehen wir Feministinnen in den „Vielfalt“-Politiken eine Falle: weil Frauen und Männer nicht dasselbe sind, und weil es immer schwieriger wird, die notwendigen Maßnahmen gegen strukturelle männliche Gewalt zu ergreifen, wenn ein Mann, ein Täter, die rechtliche Möglichkeit hat zu behaupten, kein Mann zu sein.

Der aktuelle Fall der Moderatorin Collien Fernandes wird vor der spanischen Justiz verhandelt, da die in Deutschland bestehenden Gesetze zum Einsatz von KI weder dem aktuellen Stand dieser Technologie noch dem Ausmaß der Gewalt gerecht werden, die sogenannte „Deepfakes“ – insbesondere solche mit sexuellem Inhalt – für ihre Opfer bedeuten.

Eine Frau kann sich in Deutschland gegen einen Deepfake bislang nicht wirksam rechtlich wehren — genauso wie es keine Gesetze gibt, die uns davor schützen, in öffentlichen Räumen wie einem Park heimlich gefilmt zu werden, wie der Fall von Yanni Gentsch gezeigt hat. Alle Gewaltformen, denen wir ausgesetzt sind, sind Stufen auf einer Eskalationsleiter, die zu Femiziden führt. Es ist bedauerlich zu beobachten — besonders auf der Plattform „X“ —, wie Frauen diese Realität kleinreden, ganz wie es der historische Whataboutismus von „es gibt Schlimmeres“ oder „die übertreiben doch“ schon vor fünfzig Jahren tat. Frauen, die behaupten, „die Realität“ zu kennen, aber unsere Realität in Wirklichkeit so analysieren, dass der Hans Schmidt daheim zufrieden ist — der neue Einhorn-Typ, ohne bunte Perücke und Pronomen: der „gute Mann“.

Alle vier Minuten erlebt eine Frau in Deutschland Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner: 187.128 Frauen im Jahr 2024, 3,5 % mehr als im Vorjahr. Bei Sexualdelikten sieht es nicht besser aus: 13.320 Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen, schwere Übergriffe. Sechstes Jahr in Folge mit einem Anstieg. Neuer Höchststand. 85,9 % der Opfer: Frauen. 98,9 % der Tatverdächtigen bei Vergewaltigung: Männer.

Dating-Apps sind ein weiterer einfacher Weg, uns anzugreifen: Es fehlen Gesetze, die Plattformen unterliegen der Gesetzgebung anderer Länder — und man glaubt uns nach wie vor nicht, wenn wir von der Gewalt berichten, die wir erleiden.

Köln, 2020. Ein Mann lernt eine Frau über Tinder kennen. Noch am selben Tag vergewaltigt er sie in ihrer Wohnung. 2021 wird er verurteilt: drei Jahre und acht Monate. Die Frau kann danach nicht mehr in ihrer eigenen Wohnung leben.

Zwei weitere Frauen aus dem DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) berichten öffentlich: Beide lernten ihren späteren Vergewaltiger über Hinge kennen, beide meldeten ihn anschließend über dieselbe App — und keine erhielt je eine Antwort. Ähnliche Fälle ereigneten sich bereits Anfang der 2000er Jahre über das Netzwerk Couchsurfing.

Was sagen die Statistiken über Dating-Apps?

31 % der Frauen, die Columbia Journalism Investigations und ProPublica befragten, waren von jemandem sexuell missbraucht worden, den sie über eine Dating-App kennengelernt hatten. Fast jede Dritte. Die Hälfte dieser Fälle wurde als Vergewaltigung eingestuft.

Forschende der Brigham Young University analysierten über 3.000 Fälle sexueller Gewalt. Ihr Befund: Übergriffe, die über Dating-Apps angebahnt wurden, ereigneten sich früher in der Kennenlernphase und waren tendenziell gewaltsamer. Die Apps beschleunigen den Zugang und verstärken die Entmenschlichung. Das ist kein Nebeneffekt — das ist das Produkt.

Und dann ist da noch das, was 2025 ans Licht kam: Match Group — Tinder, Hinge, OkCupid, alles ein Konzern — wusste seit mindestens 2016, welche Nutzer wegen Übergriffen gemeldet worden waren, und veröffentlichte diese Informationen nicht. Auch systematische Maßnahmen blieben aus, und die Plattformen wurden nicht sicherer gemacht.

International

Mexiko, 2016. Sie war 26 Jahre alt. Sie hatte den Mann über Tinder kennengelernt. Nach mehreren Treffen verschwand sie. Ihre Überreste wurden in seiner Wohnung gefunden: Er soll sie in Salzsäure aufgelöst haben — weil sie ihn zurückgewiesen hatte.

Grace Millane. 21 Jahre alt, britisch, auf Weltreise. Auckland, 2018. Sie hatte über Tinder ein Treffen vereinbart — er ermordete sie. Der Täter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und sein Name wurde weltweit bekannt — wie so oft: erst nach ihrem Tod.

Stephen Matthews, Kardiologe aus den USA, wurde 2024 zu 158 Jahren Haft verurteilt. Er hatte über Hinge Frauen kennengelernt, die er vergewaltigte und misshandelte. Mehrere hatten ihn zuvor über die App gemeldet. Das Unternehmen unternahm nichts — und er machte weiter.

Warum die Plattformen nicht handeln

Match Group verfügt über eine interne Datenbank mit Tausenden von Vergewaltigungs- und Missbrauchsmeldungen — doch kaum etwas passiert: Nach einer Sperrung erstellen die Täter einfach neue Konten, und so geht jede Spur verloren. Konzerneigene Tests haben dies bestätigt. Wer bei Tinder gesperrt wird, wechselt zu Hinge — und so weiter durch alle Apps des Konzerns, die untereinander nicht vernetzt sind und die Identitäten dieser Männer daher nicht nachverfolgen können. Das ist keine technische Unfähigkeit: Es ist eine unternehmerische Entscheidung.

Eine der Frauen, die ihren Vergewaltiger über Hinge gemeldet hatte, sagte:

„Wenn die Apps Frauen wirklich mehr Sicherheit geben wollen, müssen sie auf das hören, was wir sagen.“

Sie wartet noch immer auf eine Antwort — für sie und für uns alle.

Quellen: BKA Bundeslagebild 2023 und 2024 · BKA Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 · BMI 2024 · Landgericht Köln (2021) · Refinery29 DE (2020) · Der Standard AT (2025) · Columbia Journalism Investigations / ProPublica · Brigham Young University · Match Group Investigation (2025) · dokumentierte Gerichtsakten (NZ, MX, USA)

 

ESP

Violencia contra las mujeres en apps de citas

Documentación, estudios e informes de investigación

Empecemos por lo que nadie quiere decir: las mujeres son asesinadas a través de apps de citas. No de vez en cuando. No raramente. Con regularidad.

Y las empresas que operan estas apps lo saben desde hace años, pero poco cambia.

No pudimos acceder a una lista completa de mujeres asesinadas por ser mujeres porque la mayoría de los casos nunca se denuncian, nunca se documentan, nunca salen a la luz o no son tomados en serio.

Alemania

308 mujeres y niñas fueron asesinadas en 2024 en Alemania. Casi la mitad de los casos — 132 de ellas — fueron asesinadas por su pareja o expareja.

Por día, al menos un hombre en Alemania intenta matar a su pareja o expareja. Cada día. El BKA publica estas cifras anualmente y también se puede acceder a esta información gracias al trabajo de feministas que registran los feminicidios no como simples números, sino investigando cada caso y, a veces, pudiendo averiguar más sobre quiénes eran esas mujeres. Pensarlas como números ayuda a vernos sin nuestra humanidad, y la deshumanización de los cuerpos y las vidas de las mujeres es un lenguaje patriarcal que ayuda a normalizar la violencia.

La violencia por motivo de sexo — es decir, contra las mujeres — sigue en aumento cada año. Es por eso que las feministas vemos en las políticas de “Vielfalt” una trampa: porque hombres y mujeres no somos lo mismo, y cada vez se hace más difícil tomar las medidas necesarias para acabar con la violencia machista estructural si un hombre, un agresor, tiene la posibilidad legal de decir que no es hombre.

El caso actual de la presentadora Collien Fernandes se lleva a cabo en la justicia  española, ya que en Alemania las leyes existentes en cuanto al uso de IA no están actualizadas acorde al avance actual de esta tecnología ni a la violencia que suponen para sus víctimas los “deepfakes”, en especial los de contenido sexual.

Una mujer no puede defenderse de un deepfake en Alemania, de la misma forma que no hay leyes que nos protejan de quienes nos filman en lugares públicos abiertos, por ejemplo un parque, como ocurrió con el caso de Yanni Gentsch. Todas las violencias a las que nos someten son un paso en la escala que llega a los feminicidios. Da pena ver — en especial en la red “X” — a mujeres que desestiman esta realidad, como ya ocurría históricamente bajo el whataboutismo de “hay cosas peores” o “son unas exageradas” de hace cincuenta años. Mujeres que dicen conocer “la realidad” pero que analizan nuestra realidad para contentar al Hans Schmidt que tienen en sus casas, que suele ser el nuevo unicornio sin peluca colorida ni pronombres: el “hombre bueno”.

Cada cuatro minutos una mujer en Alemania sufre violencia por parte de su pareja o expareja: 187.128 mujeres en 2024, un 3,5 % más que el año anterior. Con los delitos sexuales la situación no es mejor: 13.320 violaciones, coacciones sexuales, agresiones graves. Sexto año consecutivo de aumento. Nuevo récord histórico. El 85,9 % de las víctimas: mujeres. El 98,9 % de los sospechosos en casos de violación: hombres.

Las apps de citas son otra vía fácil para agredirnos: faltan leyes, las plataformas responden a legislaciones de otros países y siguen sin creernos ante las violencias que sufrimos.

En 2020, en Colonia, un hombre conoció a una mujer por Tinder. Ese mismo día la violó en su departamento. En 2021 fue condenado: tres años y ocho meses. La mujer no pudo volver a vivir en su propio piso.

Otras dos mujeres en países de la región DACH denunciaron públicamente: ambas conocieron a su futuro violador a través de la app Hinge, ambas lo reportaron después a través de la misma app y ninguna recibió jamás una respuesta. Este tipo de casos también sucedía con la red CouchSurfing a principios de los años 2000.

¿Qué dicen las estadísticas sobre las apps de citas?

El 31 % de las mujeres encuestadas por Columbia Journalism Investigations y ProPublica habían sido agredidas sexualmente por alguien que habían conocido a través de una app de citas. Casi una de cada tres. La mitad de esos casos fue catalogada como violación.

Investigadores de la Universidad Brigham Young analizaron más de 3.000 casos de violencia sexual. Lo que encontraron: las agresiones facilitadas por apps de citas ocurrían antes en el proceso de conocerse y eran cada vez más violentas. Las apps aceleran el acceso y potencian la deshumanización. Eso no es un efecto secundario, sino el producto.

Y luego está lo que salió a la luz en 2025: Match Group — Tinder, Hinge, OkCupid, todo un mismo conglomerado — sabía desde al menos 2016 qué usuarios habían sido denunciados por agresiones y no lo publicó. Tampoco actuó de forma sistemática ni trabajó para hacer las plataformas más seguras.

En el mundo

México, 2016. Tenía 26 años. Había conocido al hombre por Tinder. Después de varios encuentros, desapareció. Sus restos fueron encontrados en el apartamento de él: supuestamente la disolvió en ácido clorhídrico porque ella lo había rechazado.

Grace Millane. 21 años, británica, viajando por el mundo. Auckland, 2018. Había pactado una cita con un hombre por Tinder y él la asesinó. El asesino recibió cadena perpetua y su nombre se hizo conocido en todo el mundo — como tantas veces, solo después de haberla matado.

Stephen Matthews, un cardiólogo de EE. UU., fue condenado en 2024 a 158 años de prisión. Había conocido a mujeres a través de Hinge a las que violó y agredió. Varias lo habían denunciado a través de la app. La empresa no hizo nada y él continuó abusando.

Por qué las plataformas no actúan

Match Group tiene una base de datos interna con miles de denuncias por violación y abuso, pero poco pasa: luego de ser bloqueados, los agresores se crean cuentas nuevas y así se pierde su registro. Los propios tests internos del conglomerado lo han confirmado. Quien es expulsado de Tinder se pasa a Hinge, y así sucesivamente con las diferentes apps, ya que al no estar conectadas entre sí no pueden rastrear las identidades de estos hombres. Pero no es incapacidad técnica: es una decisión de negocio.

Una de las mujeres que había denunciado a su violador a través de Hinge dijo:

“Si las apps realmente quieren dar más seguridad a las mujeres, tienen que escuchar lo que decimos.”

Todavía espera por una respuesta que tarda en llegar: para ella y para todas.

 

 

Artículo escrito y editado por Ana Julia Di Lisio con el apoyo de Ana G y Marie N para Radfem Berlin, 2026.

 

Fuentes: BKA Bundeslagebild 2023 y 2024 · BKA Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 · BMI 2024 · Tribunal Regional de Colonia (2021) · Refinery29 DE (2020) · Der Standard AT (2025) · Columbia Journalism Investigations / ProPublica · Brigham Young University · Match Group Investigation (2025) · Actas judiciales documentadas (NZ, MX, EE. UU.)

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