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Die Sexualisierung von Unschuld zur Normalisierung von Pädophilie

„Born Sexy Yesterday“ bezeichnet ein wiederkehrendes Motiv, das eine Figur beschreibt – meist eine Frau –, die körperlich attraktiv, zugleich aber kindlich, naiv und weltfremd inszeniert wird. Häufig steht ihr äußeres Erscheinungsbild in deutlichem Widerspruch zu ihrem Verhalten, ihrem Wissen oder ihrer emotionalen Reife.

Es handelt sich dabei um eine unausgewogene Beziehungskonstellation, in der Männlichkeit damit verknüpft wird, Frauen „Weiblichkeit“ beizubringen: Reinheit, „Jungfräulichkeit“ und die Vorstellung einer Frau, die zwar hochintelligent ist, in Gegenwart von Männern jedoch zugleich unschuldig, formbar und ahnungslos erscheint. Auf diese Weise wird Pädophilie in symbolisch akzeptierter Form reproduziert: durch den Körper einer erwachsenen Frau, der mit den Merkmalen eines minderjährigen Mädchens aufgeladen wird.

Gerade die der Frau zugeschriebene „Unschuld“ sorgt dafür, dass Männer nicht hinterfragt werden und keinerlei zusätzliche Anforderungen erfüllen müssen. Sie dürfen Frauen die Welt erklären, während sie ihre Körper zugleich sexualisieren – und all das gilt als legitim, weil der Körper äußerlich der einer erwachsenen Frau ist. Oft stammt diese Figur aus einer anderen Welt, Kultur oder Realität und ist sich ihrer eigenen sexuellen Wirkung nicht bewusst. Dadurch erscheint sie leicht zu beeindrucken, leicht zu lenken und empfänglich für alles, was der durchschnittliche Mann ihr sagt oder mit ihr tut.

Abgesehen von ihrem außergewöhnlichen Intellekt und ihrer stark körperlich aufgeladenen Ästhetik sind diese Figuren sozial von der Realität abgeschnitten. Genau deshalb müssen sie erst in die Welt eingeführt werden. Dieser Mangel an Alltagserfahrung wird von der männlichen Figur kompensiert, und die kindlich inszenierte Frau ist entsprechend schon von den schlichtesten Gesten der Höflichkeit beeindruckt. Meist wird ihr männlicher Schöpfer – oder der Mann, der sie unter seine Fittiche nimmt – zum Liebesinteresse. Gerade dadurch wird die Dynamik jedoch besonders unangenehm: Denn wenn er sie zugleich in Sexualität, Romantik und zwischenmenschliche Beziehungen einführt, nimmt er eine Rolle ein, die in wesentlichen Zügen an Grooming erinnert. Er wird zur Vaterfigur, die zugleich sexualisiert wird.

Weil diese Frauen von der Realität abgekoppelt sind und sich ihrer eigenen Schönheit und Intelligenz nicht bewusst zu sein scheinen, verlieben sie sich folglich in nahezu jeden Mann – sogar in den sozial unbeholfenen, pickligen Anime-Fan, der im Keller wohnt.

Dieses Erzählmuster beschreibt also eine fiktionale Konstellation, in der ein Mann eine sexualisierte Beziehung zu einer weiblichen Figur eingeht, die zwar erwachsen ist, aber keinerlei Verständnis von der Welt, von ihrer eigenen sexuellen Attraktivität oder von zwischenmenschlichen Beziehungen hat – kurz: eine Erwachsene mit der Mentalität eines kleinen Mädchens. Es handelt sich dabei um einen äußerst beliebten weiblichen Archetyp, insbesondere in Science-Fiction und Fantasy. Auch in Anime und Hentai kehrt dieses Muster immer wieder.

Seinen Ursprung hat dieser Topos jedoch in einer kolonialen Fantasie: Ein weißer männlicher Kolonisator „entdeckt“ eine indigene Frau.

Die männliche Figur weist dabei häufig folgende Merkmale auf:

  • Sie ist ledig oder emotional und sexuell frustriert, meist unfreiwillig.

  • Sie ist unscheinbar, langweilig und wenig attraktiv.

  • Sie ist sozial ungeschickt.

  • Sie nutzt ihre sexuelle Erfahrung oder ihr Wissen aus, um die weibliche Figur zu manipulieren.

Die weibliche Figur hingegen ist meist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Sie ist sexuell attraktiv – und sich dessen vollkommen unbewusst.

  • In mindestens einer Szene ist sie nackt, oft weil sie nicht weiß, dass Menschen Kleidung tragen.

  • Der männliche Protagonist ist die erste Person, der sie begegnet.

  • Ihre sexuelle Unerfahrenheit – und häufig auch ihre Jungfräulichkeit – wird ausdrücklich betont.

  • Sie hat in der Regel keinen Kontakt zu anderen Frauen.

  • Sie beherrscht etwas oder interessiert sich für etwas, das gesellschaftlich als männlich codiert gilt, etwa Kampf.

Diese Figur überschneidet sich zudem häufig mit dem Typus des „Manic Pixie Dream Girl“*.

Der Archetyp vereint dabei vier Muster: männliche Machtfantasien, die Erotisierung pädophiler Projektionen, die Überhöhung von Jungfräulichkeit und Keuschheit als zentralem Wert weiblicher Attraktivität sowie männliche Unsicherheit in Bezug auf Sexualität.

* Manic Pixie Dream Girl: eine exzentrische, kindlich wirkende junge Frau, die allein dazu dient, dem männlichen Protagonisten emotionale oder romantische Entwicklung zu ermöglichen. Diese Figur beruht wesentlich auf männlicher Unsicherheit im Umgang mit romantisch-sexuellen Beziehungen.

Im Kern geht es um Männer, die in der realen Welt aus unterschiedlichen Gründen scheitern – meist, weil sie gewöhnlich, unattraktiv oder sozial unbeholfen sind –, für die weibliche Hauptfigur jedoch als außergewöhnlich, bewundernswert und unverzichtbar erscheinen.

Das Machtgefälle wird erotisiert

Männliche Unsicherheiten

Wenn diese Frauen die Welt um sich herum nicht kennen, sind sie formbar. Ihre Urteile und Meinungen beruhen dann auf dem, was der Mann – die einzige Bezugsperson, die sie haben – ihnen vermittelt.

  • Sie können den Protagonisten sexuell nicht mit anderen Männern vergleichen, weil es niemanden gibt, mit dem ein solcher Vergleich überhaupt möglich wäre.

  • Sie fällen keine eigenständigen Urteile, weil ihnen jede Vergleichsgrundlage fehlt.

  • Sie demütigen den Protagonisten nicht und geben ihm kein schlechtes Gewissen, weil sie buchstäblich von ihm abhängig sind und ihm alles verdanken.

Die Erotisierung männlicher Pädophilie

Wenn im Kino oder in anderen Medien ein Mann die Welt nicht kennt oder sich kindlich verhält, wird seine Unwissenheit nie als sexy inszeniert, sondern allenfalls als Anlass für Spott. Wenn sich eine Frau dennoch in ihn verliebt, dann trotz dieses Mangels – nicht wegen ihm.

Gerade darin liegt der ideologische Kern dieses Tropus: Er verstärkt die Vorstellung, ein Mädchen könne durchaus eine Beziehung mit einem erwachsenen Mann führen – schließlich gebe es ja Vierzehnjährige, deren körperliche Entwicklung bereits abgeschlossen sei.

Was wäre dann noch der Unterschied zu einer „Born Sexy Yesterday“?

Die rechtlichen Schranken des jeweiligen Landes.

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